Biomasse - Nutzung

Der SFV empfiehlt nur die energetische Nutzung von biogenen Abfall- und Reststoffen, warnt jedoch vor der energetischen Verwendung von Biomasse, die auch stofflich genutzt werden kann.


(Anmerkung: Diese ausdrückliche Warnung wird durch das Aufleuchten einer Warnleuchte bekräftigt. Dennoch rechnet der Energiewenderechner mit den vom Nutzer eingegebenen Werten weiter. Jeder Nutzer ist selbst für die Seriosität seines Ergebnisses verantwortlich.)

Kurzbegründung:
Biomasse kann zwar das zu Ende gehende Erdöl in geringem Umfang materiell ersetzen, doch in Klimaschutzhinsicht bietet die energetische Nutzung von Biomasse keinen wesentlichen Vorteil.
Bei der energetischen Nutzung von Biomasse wird CO2 mindestens im gleichen Umfang wie bei den fossilen Brennstoffen in die Atmosphäre abgegeben. Der Vorteil, dass dieses CO2 nicht aus den fossilen Lagerstätten stammt, sondern der Atmosphäre kurz vorher entnommen wurde, wird durch mehrere gravierende Nachteile ganz oder teilweise wieder zunichte gemacht:
1) Beschleunigte Rückgabe des ansonsten in den Pflanzen gespeicherten Kohlenstoffs in die Atmosphäre
2) Verringerung der photosynthetischen Leistung und damit der CO2-Speicherung in Grünpflanzen, weil diese - anstatt zu wachsen - energetisch genutzt werden.
3) Konkurrenz der energetischen Biomassenutzung zur Nahrungsmittelproduktion
4) Konkurrenz der energetischen Biomassenutzung zur stofflichen Verwertung in der organischen Chemie bei Verzicht auf Erdöl, Erdgas und Kohle

zu 1 und 2) Gefährdung der Photosynthese und der Speicherung von Kohlenstoff
Energetische Nutzung von Biomasse erhöht den wirtschaftlichen Druck, Wälder in Biomasseplantagen umzuwandeln. Dies hat gefährliche Folgen für das Klima: Im Blattgrün findet eine permanente Umwandlung des CO2 in Sauerstoff statt (Photosyntese). Dieser Vorgang ist unersetzbar im Kampf gegen den überhöhten CO2-Gehalt der Atmosphäre. Durch die Photosynthese wird vor allem im Holz und im Wurzelbereich der Wälder ein erheblicher Anteil des aus der Atmosphäre entnommenen Kohlenstoffs zuverlässig gespeichert. Der SFV entscheidet sich deshalb für den Vorrang der Wälder.

zu 3) Verknappung an Nahrungsmitteln in Folge des Klimawandels
Der Klimawandel bedeutet nicht nur gleichmäßige Erwärmung, sondern macht sich insbesondere mit Extremereignissen bemerkbar. Unvorhersehbare Wechsel von Dürre und Überschwemmungen, Unregelmäßigkeit des Monsunregens, verheerende Stürme, Verschiebung der Jahreszeiten und Überhitzungs- und Frostperioden weltweit überfordern die Anpassungsfähigkeit der Vegetation und fördern die Ausbreitung der Wüsten. Die ersten Folgen werden die Landwirtschaft treffen. Mit zunehmenden Ernteausfällen ist zu rechnen. Dies führt vorhersehbar zur globalen Verknappung an Lebensmitteln und zu Hungersnöten. In dieser Situation stellt sich drängend die bekannte Frage "Tank oder Teller?". Der SFV entscheidet sich für den Vorrang der Ernährung.

zu 4) Vorhersehbarer Mangel an Grundstoffen für die organische Chemie bei Verzicht auf Erdöl, Erdgas und Kohle
Wer sich zum Ziel gesetzt hat, von Erdöl, Erdgas und Kohle unabhängig zu werden, braucht auch für die stoffliche Verwertung einen Ersatz. Diesen Ersatz kann - zumindest zu einem gewissen Anteil - die Biomasse liefern.

15 Prozent der deutschen Erdöleinfuhren werden jährlich stofflich verwertet - zur Herstellung von Kunststoffen, Kohlefasern, Textilien, Schmierstoffen, Pestiziden und Düngemitteln, Baustoffe, Arzneimitteln usw. (Quelle: Verband der Chemischen Industrie, Rohstoffbasis der chemischen Industrie: Daten und Fakten) . Auch ein Teil der Kohle- und Erdgasförderung wird stofflich verwertet.
(15 % des gesamten deutschen Erdölbedarfs (109 Mio t) = 16,35 Mio t Erdöl = ca. 19 Mrd. Liter Erdöl)

Wollte man die benötigte Erdölmenge (ca. 19 Mrd. Liter) zur stofflichen Nutzung durch Rapsöl ersetzen, so benötigt man dafür eine große Anbaufläche.

Überschlagsrechnung:
Raps hat im konventionellen Anbau einen Ertrag von etwa 130.000 Liter Rapsöl pro km².
Wenn man 19 Mrd. Liter Erdöl durch Rapsöl (130.000 Liter Rapsöl/km²) ersetzt will, benötigt man ca. 146.000 km². Die in Deutschland verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt ca. 169.000 km².

Daraus ergibt sich: Nur dann, wenn man fast die gesamte deutsche landwirtschaftliche Nutzfläche für den Rapsanbau nutzt (was schon allein aus pflanzenbaulicher Sicht dauerhaft unmöglich ist), reicht der Rapsöl-Ertrag aus konventionellem Anbau aus, den deutschen Bedarf an stofflich genutzten Erdölprodukten durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. Die stoffliche Nutzung anderer fossiler Energieträger wie Erdgas und Kohle ist in diese Rechnung allerdings noch nicht einmal einbezogen.

Auch der ökologisch sinnvollere Anbau von Ölfrüchten wie z.B. Leindotter (im Mischfruchtanbau mit Nahrungsmitteln - siehe http://www.sfv.de/ppt/Biomasse_Kurzvortragppt.ppt kann diese Problematik nicht lösen. Beim Anbau von Leindotter erzielt man man nur ca. 1/10 des Ölertrags von Raps (siehe: http://www.sfv.de/artikel/2007/Potentia.htm ).

Fazit:
Der SFV warnt davor, nachwachsende Rohstoffe für die energetische Nutzung einzuplanen. Da unsere zukünftige Energieversorgung auch auf solchen Erneuerbare Energien in Kombination mit Energiespeichern basieren kann, die diese Nachteile nicht aufweisen, empfiehlt der SFV folgendes: Biomasse sollte nur dann energetisch genutzt werden, wenn diese weder lagerfähig noch weiterverarbeitungsfähig ist. Dies betrifft z.B. Abfälle wie Gülle, Haushalts-Biomüll bzw. Abfälle aus der Nahrungsmittelindustrie.

Andere Auffassung:
Leitszenario 2009 (Kurzfassung) - Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Quelle: http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources//BMU_Leitszenario2009_kurzfassung.pdf , dort Seite 9:
Zitat: (...) Bis 2050 steigt die Stromproduktion aus Biomasse nur noch gering auf insgesamt 57 TWh/a. Dann werden Energiepflanzen auf einer Fläche von 1,85 Mio. ha für die stationäre Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt, was knapp 10% der gesamten Fläche an Acker- und Dauergrünland entspricht. (...) Ende des Zitats

Der SFV warnt dringend vor dieser Strategie. Die benötigte landwirtschaftliche Fläche wird beim Nahrungsmittelanbau fehlen und kann auch nicht für die Aufforstung von Wald, d.h. für die Rückholung von CO2 aus der Atmosphäre genutzt werden.

Würde man die gleiche Fläche für Windparks nutzen, so würde man das 10- bis 30-fache an Energie gewinnen und könnte unter den Windanlagen (mit nur sehr geringen Einschränkungen durch die  Windanlagen  weiterhin Landwirtschaft oder Waldwirtschaft betreiben.

Biomasse Ertrag im Vergleich

Video - Unter Windanlagen kann Landwirtschaft betrieben werden (Quelle: E. Waffenschmidt):



Anteil der Stromerzeugung unter Berücksichtigung des Wirkungsgrades der Stromerzeugung
Der Anteil des durch Biomasse erzeugten Stromes (an der gesamten Energieerzeugung durch Biomasse) kann hier eingestellt werden.

Ebenso kann der Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung durch Biomasse festgelegt werden.


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